The Kilkennys: Es ist mehr so eine Familiensache

 In Interviews

In zwei Wochen gehen The Kilkennys mit den Songs von ihrem neuen Album “Blowin’ In The Wind” auf Deutschland-Tour. Bandmitglied Davey Cashin sprach mit uns über das Album, den Weg der Kilkennys von der Schulband zu international gefeierten Stars der irischen Folk-Szene und darüber, wie die Band es schafft, seit zwei Jahrzehnten zusammenzubleiben.

F: Ihr seid seit 1998 zusammen auf Tour – herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum! Wie hat damals alles angefangen? Wie wurde die Band geboren, und was waren eure ersten Auftritte? 
A: Die Band entstand während unserer letzten Schuljahre in Kilkenny. Ich, mein Bruder Adam und Tommy Mackey fanden uns damals zusammen und spielten an Wochenenden in den Pubs. Wir nannten uns Uisce Beatha – das irische Wort für Whisky, oder Wasser des Lebens. Unsere Auftritte brachten uns etwas Taschengeld ein, aber vor allem lernten wir dabei, vor Publikum zu spielen.

F: Die Musikbranche im Allgemeinen und vor allem die Folk-Szene haben sich in diesen zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Der veränderte Zugang zu Musik durch das Internet hat dazu geführt, dass Live-Auftritte heute wichtiger sind als Aufnahmen und Musiker beinahe ständig auf Tour sind. Gleichzeitig wurden traditionelle irische Musik, Tanz und Balladen mit dem Erfolg der großen Tanzshows ab Mitte der Neunziger ein regelrechter “Exportschlager” und sind heute weltweit populärer denn je. Wie hat sich das auf euren Weg ausgewirkt? Was ist 2018 anders als 1998?
A: Ja, die Branche hat sich extrem verändert. In Irland gibt es kaum noch Plattengeschäfte. Die Leute kaufen nicht mehr so viele CDs wie früher, die meisten nutzen einen Streaming-Dienst oder laden Musik als MP3 auf Ihre Geräter. Es ist wichtig, diese Entwicklung mitzugehen und auf allen Streaming- und Social Media-Plattformen eine starke Präsenz zu haben. Wir verkaufen bei unseren Konzerten trotzdem immer noch eine Menge Alben, weil Konzertbesucher die Musik einfach gern als Erinnerung an den Abend mitnehmen. Aber letztlich ist das der Grund, warum Bands heute viel mehr auf Tour sind. Sie müssen ganz einfach ihre Ärmel hochkrempeln und losziehen. Genau so sollte es auch sein. Musiker haben heute nicht mehr den Luxus, ein Studioalbum aufzunehmen und sich dann zurückzulehnen und auf die Schecks mit den Tantiemen zu warten. Sie müssen sich bewegen und für Ihre Zuhörer spielen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

F: Euer eigener Tourplan sieht unfassbar voll aus. Wann schafft ihr es denn überhaupt, eigene Musik zu schreiben und Alben aufzunehmen?
A: Es ist extrem schwierig, Zeit zum Schreiben und Aufnehmen zu finden, wenn man so viel auf Tour ist wie wir. Also schreiben und arrangieren wir unterwegs, und wenn wir mal einen oder zwei Tage zwischendurch haben, gehen wir ins Studio und nehmen ein paar Tracks auf.

F: Es ist relativ ungewöhnlich für eine Band, so lange in derselben Besetzung zusammenzubleiben, deshalb auch dazu herzlichen Glückwunsch! Ihr seid ja alle Schulkameraden und habt damit einen großen Teil eures Lebens zusammen verbracht, als Freunde und als Musiker. Habt ihr ein Patentrezept für eine so lange künstlerische und private Partnerschaft? Gab es je einen Moment, wo du gehen und etwas anderes machen wolltest?
A: Bands sind in der Tat eine Art von Gemeinschaft, die über einen längeren Zeitraum extrem schwierig zusammenzuhalten ist. Klar gibt es verschiedene Meinungen, unterschiedliche Ideen und Persönlichkeiten, die aufeinanderprallen. Das kann manchmal eine ganz schöne Herausforderung sein. Aber für uns ist das mehr so eine Familiensache. Familien haben mal Zoff, aber letztendlich halten sie zusammen.

F: Eure deutschen Fans gehören zu den ersten, die die Musik auf dem neuen Album zu hören bekommen. Was erwartet sie da?
A: Das neue Album ist eine ziemlich bunte Mischung, ein Querschnitt der riesigen Bandbreite von Stilen, die wir als Band gern spielen. Wir haben dafür Stücke ausgewählt, die wir seit Jahren live spielen und die das Publikum immer begeistert aufgenommen hat, die wir vorher aber noch nie aufgenommen haben. Wir decken das ganze Spektrum zwischen Trad und Folk ab, von schnell zu langsam, es gibt Cover von Klassikern, alte Favoriten und versteckte Perlen. Der Titelsong und gleichzeitig die Single-Auskopplung ist Bob Dylan’s Blowing In The Wind.

F: Viele irische Musiker verlassen Irland, weil sie es zunehmend schwierig finden, dort als Live-Musiker ihren Lebensunterhalt zu verdienen – wir haben über die Jahre viele davon hier in Berlin kennengelernt. Auch da stellt sich die Frage: Was ist euer Erfolgsrezept?
A: Gib deinen Zuhörern, was sie wollen, aber sorge dafür, dass sie hungrig bleiben. Beziehe das Publikum ein, bring sie zum singen und zum Tanzen, und wenn sie die Musik und die Stimmung mögen, dann kommen sie in der Regel auch wieder und wollen mehr davon.

F: Ihr wurdet oft mit den Clancy Brothers oder den extrem erfolgreichen Dubliners verglichen. Waren sie tatsächlich ein Vorbild für euch?
A: Zweifelsohne. Klar sind The Dubliners, die Clancy Brothers oder Tommy Mackem Einflüsse. Sie waren die eigentlichen Pioniere der irischen Folk- und Balladenszene, wie wir sie heute kennen. Wir singen einige ihrer Lieder in unseren eigenen Konzerten, und einige davon haben wir auch für das neue Album aufgenommen. Das Ziel ist aber nicht, sie zu imitieren. Es geht mehr um eine Hommage an diese Legenden. Wir zollen ihnen Tribut, aber auf unsere eigene und moderne Art.

F: Ihr habt schon mit einigen der renommiertesten irischen Künstler unserer Zeit auf der Bühne gestanden, etwa Shane McGowan oder Sharon Shannon, und ihr habt mit dem legendären Songwriter Mick Hanley gearbeitet, dessen Titel “Homeland” ihr aufgenommen habt und der ebenfalls vorab als Single veröffentlicht wurde. Gibt es jemand, mit dem ihr gerne in Zukunft noch arbeiten würdet?
A: The Kilkennys und Beyoncé, das wär’ doch mal was. Die Eagles wären auch ziemlich cool.

F: Irlands Musik- und Kulturerbe ist einzigartig und heute auch weltweit populär, aber das war nicht immer so. Du bist in einer Zeit aufgewachsen in der Trad und Folk längst nicht so verbreitet waren wie heute. Wie sind du und die anderen Bandmitglieder damit in Berührung gekommen?
A: Ich persönlich habe meine Liebe für Folk und fürs Singen von meinem Vater Adrian Cashin. Er ist ein Folk-Musiker und steht immer noch jeden Abend auf der Bühne. Robbie und Mick kommen aus der traditionellen irischen Musik, sie haben ihr Handwerk in den entsprechenden Schulen gelernt, die es überall in Irland und tatsächlich überall auf der Welt gibt. Tommy hat Gitarre gespielt und gesungen so lange er denken kann.

F: Von der Vergangenheit zur Zukunft: Einer der Gründe, warum keltische Musiktraditionen heute so gefragt sind liegt darin, dass ihr und andere Künstler der Gegenwart immer wieder neue und spannende Ideen haben, Verbindungen mit anderen Stilen herstellen und die Musik lebendig halten. Was werdet ihr in zehn Jahren machen? Werdet ihr immer noch als Folkband auf Tour sein, oder würdet ihr gern mal was ganz anderes machen? 
A: Ach, wir planen nicht so lange voraus, wir nehmen es wie’s kommt. Ich vermute, dass wir in zehn Jahren immer noch touren. Vielleicht nehmen wir uns aber mal etwas mehr Zeit zum Aufnahmen und arbeiten verstärkt am Nummer-Eins-Hit!

Erinnerung: Mit Irish Culture Events könnt ihr HIER Freikarten für jedes der Kilkenny-Konzerte in Deutschland gewinnen. Die Verlosung endet am 5. Oktober um 12 Uhr. Teilnahmebedingungen: Teilt unseren Gewinnspiel-Link, gebt die Stadt an, in der ihr The Kilkennys erleben wollt, und vergesst nicht den Hashtag #ICEKilkennys.

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